Unterrichtsversorgung 2010
>> zum PROTEST gegen die Einführung des TURBO-ABIs an Gesamtschulen
>> zum PROTEST gegen die Unterrichtsausfall im Jahr 2009
>> zum PROTEST gegen das 13-Punkte-Programm der Landesregierung 2009

>> www.volksinitiative-unterrichtsqualitaet.de ...>> Volksinitiative 2007......>> Unterrichtsversorgung 2007.

>> Unterrichtsversorgung 2008 ....>> Unterrichtsversorgung 2009
HAZ, 30.04.2010, Einsparungen: Niedersachsen streicht den Bau-Etat massiv zusammen - 106 Mio Euro im Kultusministerium
Der Rotstift der Regierung trifft die Hochbauprojekte des Landes – also Finanzämter, Gerichts- und Universitätsgebäude, Gefängnisse und andere Landesbehörden. 50 Millionen Euro, also fast die Hälfte des gesamten Geldes für diesen Bereich, sollen 2011 gestrichen werden.

Niedersachsen streicht den Bau-Etat massiv zusammen: Darauf hat sich die Runde der Staatssekretäre nach Informationen dieser Zeitung verständigt. Außerdem müssen alle Ministerien teilweise drastische Kürzungen vornehmen, das Kultusministerium ist mit einem Betrag von 106 Millionen Euro betroffen. ... Die darüber hinaus angepeilten Kürzungen treffen die Ressorts unterschiedlich stark. Eine „Giftliste“ sieht folgende Millionenbeträge für Ministerien vor: Kultus 106, Wirtschaft 18, Agrar 7,5, Justiz 24, Umwelt 6,6, Innen 36, Soziales 65, Finanzen 16 und Wissenschaft ... Interessant sind die Kürzungen im Bildungsbereich. Eigentlich hatte das Wissenschaftsressort darauf gepocht, vom Rotstift verschont zu werden wegen der nötigen Investitionen im Hochschulbereich. Dazu kommt es jetzt nicht. Wie Kultusminister Bernd Althusmann seine 106 Millionen Euro erwirtschaften will, ist auch noch völlig unklar. Eine Variante wäre, etwa 5000 Lehrerstellen erst ein halbes Jahr verspätet zu schaffen. Eine andere, die Freistunden etwa für Beratungslehrer oder Schulleiter zu kürzen. Klaus Wallbaum

 
01.04.2010 Landeselternrat Niedersachsen - „Erschreckende Bilanz“: Jede zehnte Unterrichtsstunde fällt aus
  NP-Online, 01.04.2010 >> Niedersachsen will 1200 Lehrerstellen ausschreiben Mehr Lehrer für Niedersachsen: 1200 Stellen will das Kultusministerium zum kommenden Schuljahr neu ausschreiben. Auch Ganztagsschulen sollen profitieren, verspricht die Kultusministerin..... Insgesamt würden nach den Sommerferien 1600 Stellen frei, teilte das Kultusministerium am Freitag mit.. >> mehr in der NP
  NP-Online, 01.04.2010 >> Umfrage zur Schulpolitik: Niedersachsens Eltern geben Kultusministerin schlechte Noten Schlechtes Zeugnis für Niedersachsens Kultusministerin: Bei einer landesweiten Umfrage haben Eltern die Schulpolitik von Elisabeth Heister-Neumann (CDU) kritisiert. Im Schnitt gab es eine 3,8 für die Arbeit der Ministerin. ... 61 Prozent der Eltern in Niedersachsen wünschen sich kleinere Klassen, 57 Prozent fordern weniger Unterrichtsausfall. .. >> mehr in der NP
  Harzburger Zeitung, 31.03.2010 >> "An Gymnasien fallen zehn Prozent Unterricht aus" „Angesichts massiven Stundenausfalls und Streits um die Schulstruktur fordert Niedersachsens Landeselternrat die Landesregierung zum Handeln auf. "Die Regierung Wulff muss aufhören, vom Streichen von Lehrerstellen zu reden, das ist genau das falsche Signal", sagte der Vorsitzende Pascal Zimmer....Zum Ausfall führen laut Elternrat Lehrermangel und Krankheit, aber auch Mutterschaftsurlaub, Klassenfahrten sowie Fortbildungen oder Überstundenabbau. ..Laut Zimmer herrscht bei den Eltern angesichts der fortgesetzt schlechten Situation "Frustration". ... Das Finanzministerium legte jedoch mittlerweile Berechnungen vor, wonach durch den Schülerrückgang bis 2020 tausende Lehrerstellen gespart werden könnten
  NP-Online, 31.03.2010 >> Kritik wegen Unterrichtsausfalls zurückgewiesen „Im Bereich Lüneburg liegen uns keine Meldungen von Schulleitungen vor, dass es zu Problemen in den Schulen kommt“, sagte der Sprecher des Ministerium am Mittwoch in Hannover. Damit hat das Kultusministerium die Klagen des Landeselternrates zurückgewiesen >> mehr in der NP
 

NP-Online, 30.03.2010>> Erschreckende Bilanz": Jede zehnte Unterrrichtsstunde fällt aus „Nach einer Erhebung des Landeselternrats fallen an den Gymnasien im Schnitt zehn Prozent des Unterrichts aus. An Realschulen sind es 9,3 und an Hauptschulen sechs Prozent.. ..... >> mehr in der NP

  >> Unterrichtsversorgung 2010
NP-online, 02.04.2010 Lehrermangel: Niedersachsen will 1200 Lehrerstellen ausschreiben
Mehr Lehrer für Niedersachsen: 1200 Stellen will das Kultusministerium zum kommenden Schuljahr neu ausschreiben. Auch Ganztagsschulen sollen profitieren, verspricht die Kultusministerin.
http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Niedersachsen-will-1200-Lehrerstellen-ausschreiben

Hannover. Für das kommende Schuljahr will das Land Niedersachsen im April 1200 Lehrerstellen ausschreiben. Insgesamt würden nach den Sommerferien 1600 Stellen frei, teilte das Kultusministerium am Freitag mit. Die 1200 Pädagogen sollten im August eingestellt werden. 200 Stellen würden als Reserve dienen, um kurzfristig regionale Besonderheiten ausgleichen zu können. Der Rest werde für Projekte wie den Ausbau der Ganztagsschulen genutzt. „Wir nutzen alle frei werdenden Stellen für das nächste Schuljahr“, teilte Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) am Freitag mit.

NP-online, 01.04.2010 Umfrage zur Schulpolitik: Niedersachsens Eltern geben Kultusministerin schlechte Noten
Schlechtes Zeugnis für Niedersachsens Kultusministerin: Bei einer landesweiten Umfrage haben Eltern die Schulpolitik von Elisabeth Heister-Neumann (CDU) kritisiert. Im Schnitt gab es eine 3,8 für die Arbeit der Ministerin.
http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Niedersachsens-Eltern-geben-Kultusministerin-schlechte-Noten

Niedersachsens Eltern sind unzufrieden mit der Schulpolitik ihrer Landesregierung. In einer Allensbach-Umfrage gaben sie der Arbeit von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) nur die Note 3,8. Die Grünen im Landtag kritisierten am Donnerstag, es sei „unglaublich“, mit welcher Ignoranz die Regierung die Kritik an der schlechten Unterrichtsversorgung aussitze.

Hauptkritikpunkt der Eltern war der Ausfall von Unterricht. Mehr als die Hälfte forderte zudem kleinere Klassen. Mit ihrer Unzufriedenheit stehen die Väter und Mütter in Niedersachsen aber nicht alleine da. Bestenfalls mit einer Drei minus (3,6) bewerten die Bundesbürger in der Umfrage die Schulpolitik in ihren Ländern. Fast zwei Drittel der Eltern wollen, dass der Bund überall in Deutschland die gleiche Schulqualität garantiert, nur 23 Prozent der Niedersachsen finden, dass es in Länderhand bleiben sollte.

„Bildungspolitik steht seit jeher in der Verantwortung der Länder, dies ist durch die Föderalismuskommission 2006 nochmals bestätigt worden“, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums am Donnerstag in Hannover. Auch der Präsident der Kultusministerkonferenz, Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), sieht die Bildungspolitik in der Verantwortung der Länder „sehr gut angesiedelt“. „Ich möchte nicht wissen“, sagte Spaenle, „wie die Menschen reagieren würden, wenn Bildungspolitik von Berlin aus gemacht werden würde.“

Beim schulpolitischen Länder-Zeugnis schneidet Bayern mit der Note 3,3 noch am besten ab - bei einem bundesweiten Zufriedenheitsschnitt von 3,6. Schleswig-Holstein landet mit der Note 4,2 auf dem letzten Platz. Gemeinsam mit Hamburg und Bremen belegt Niedersachsen den drittletzten Platz im Ranking.

Die Grünen im Landtag kritisierten, es sei „unglaublich“, mit welcher Ignoranz die Regierung die Kritik an der schlechten Unterrichtsversorgung aussitze. Angesichts der erheblichen Klagen von Eltern in Niedersachsen fordern sie von Ministerin Heister-Neumann konkrete Zahlen, wie viele Lehrerstellen durch Auslaufen und Wegfall des Lehrerarbeitszeitkontos in den kommenden Jahren benötigt werden und wie viele besetzt werden sollen. Es sei nicht hinnehmbar, dass die „Inkompetenz der Regierung Wulff“ auf dem Rücken der jetzigen Schülergeneration ausgetragen werde, sagte die schulpolitische Sprecherin Ina Korter.

61 Prozent der Eltern in Niedersachsen wünschen sich kleinere Klassen, 57 Prozent fordern weniger Unterrichtsausfall. Zugleich hadern noch viele Eltern in Westdeutschland mit der Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre. Nur 7 Prozent halten die Umstellung für richtig, 39 Prozent wollen gar zur alten Lösung zurück. Dagegen wollen in Ostdeutschland nur 12 Prozent der Eltern die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren, 33 Prozent halten 12 Jahre für richtig.

Die Umfrage im Auftrag von Vodafone-Stiftung und Philologenverband wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte 2262 repräsentativ ausgewählte Bürger.

lni

Harzburger Zeitung, 31.03.2010 An Gymnasien fallen zehn Prozent Unterricht aus"
Landeselternrat: Gerede vom Lehrerstellen-Abbau muss aufhören

Von Michael Ahlers
Angesichts massiven Stundenausfalls und Streits um die Schulstruktur fordert Niedersachsens Landeselternrat die Landesregierung zum Handeln auf.

"Die Regierung Wulff muss aufhören, vom Streichen von Lehrerstellen zu reden, das ist genau das falsche Signal", sagte der Vorsitzende Pascal Zimmer.

"An Gymnasien fallen im Schnitt rund zehn Prozent Unterricht aus, das ist erschreckend", so Elternvertreter Fritz Hullen. Kreiselternräte hatten in zehn Landkreisen, darunter Lüneburg, Verden, Rotenburg und Soltau-Fallingbostel, in rund 1000 Klassen erteilte und nicht erteilte Stunden erfassen lassen. Nur wenig besser als an Gymnasien ist danach die Lage an Realschulen. An Hauptschulen beträgt der Ausfall rund sechs Prozent. "Das betrifft alle Fächer, das geht Querbeet", sagte Zimmer. Die Ergebnisse seien auf das gesamte Land übertragbar.

Zum Ausfall führen laut Elternrat Lehrermangel und Krankheit, aber auch Mutterschaftsurlaub, Klassenfahrten sowie Fortbildungen oder Überstundenabbau. Das Kultusministerium hatte zum Schuljahresbeginn die Unterrichtsversorgung mit insgesamt 99,5 Prozent angegeben, darunter an Gymnasien mit 98,5 Prozent.

"Die vom Landeselternrat erhobenen Daten und die rechnerische Unterrichtsversorgung sind nicht zu vergleichen", sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Die Unterrichtsversorgung beschreibe, wieviel des laut Stundentafel zu erteilenden Unterrichts (plus zwei Poolstunden pro Klasse) die Schulen mit den zur Verfügung stehenden Lehrerstunden ansetzen könnten. "Die Unterrichtsversorgung ist gesichert", so der Sprecher.

Laut Zimmer herrscht bei den Eltern angesichts der fortgesetzt schlechten Situation "Frustration". "Wir erwarten, dass die Zusagen von Herrn Wulff umgesetzt werden, unseres Wissens ist da noch nichts passiert", sagte Zimmer. Wulff hatte im Vorjahr beim Philologentag in Goslar einen "Zukunftsvertrag" mit den Schulen angekündigt. Durch Schülerrückgang freiwerdende Ressourcen sollten im Bildungssystem bleiben, so auch Koalitionsvereinbarung und Regierungserklärung von 2008.

Das Finanzministerium legte jedoch mittlerweile Berechnungen vor, wonach durch den Schülerrückgang bis 2020 tausende Lehrerstellen gespart werden könnten. "Es ist höchste Zeit, dass das Versprechen kleinerer Klassen endlich umgesetzt wird", forderte dagegen Zimmer weiter. An Gymnasien säßen trotz der Obergrenze 32 bis 35 Schüler in einer Klasse, die Obergrenze müsse auf 28 heruntergesetzt werden. Statt ständigen Streits um die Schulstruktur müsste ein "Bildungsfrieden" her, sagte Zimmer weiter.

NP, 31.03.2010

Kritik wegen Unterrichtsausfalls zurückgewiesen
„Im Bereich Lüneburg liegen uns keine Meldungen von Schulleitungen vor, dass es zu Problemen in den Schulen kommt“, sagte der Sprecher des Ministerium am Mittwoch in Hannover. Damit hat das Kultusministerium die Klagen des Landeselternrates zurückgewiesen
http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Kritik-wegen-Unterrichtsausfalls-zurueckgewiesen

Das Kultusministerium hat Klagen des Landeselternrates über ausfallenden Schulunterricht zurückgewiesen. „Im Bereich Lüneburg liegen uns keine Meldungen von Schulleitungen vor, dass es zu Problemen in den Schulen kommt“, sagte der Sprecher des Ministerium am Mittwoch in Hannover. Der Elternrat hatte nach einer Umfrage in einigen Landkreisen kritisiert, dass an Gymnasien im Schnitt rund zehn Prozent Unterricht ausfalle. Es sei möglich, dass Schulen bei längeren Unterrichtsausfällen Vertretungslehrer bekommen, sagte der Ministeriumssprecher. Allerdings lasse es sich nie ganz vermeiden, dass etwa wegen Krankheiten Stunden ausfielen

NP, 30.03.2010 „Erschreckende Bilanz“: Jede zehnte Unterrichtsstunde fällt aus
Nach einer Erhebung des Landeselternrats fallen an den Gymnasien im Schnitt zehn Prozent des Unterrichts aus. An Realschulen sind es 9,3 und an Hauptschulen sechs Prozent.
http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Jede-zehnte-Unterrichtsstunde-faellt-aus

Elternvertreter hatten im vergangenen November zwei Wochen lang in rund 840 Klassen mit insgesamt 27.000 Schülern im früheren Regierungsbezirk Lüneburg ermittelt, wie viele Stunden nicht erteilt werden konnten, weil Lehrer im Mutterschutz, krank, auf Fortbildung oder Klassenfahrt waren. Zehn Landkreise hatten sich an der Umfrage beteiligt, die seit 2006 regelmäßig zweimal im Jahr erhoben wird. Nach der jüngsten Untersuchung war das Fehl in den Gymnasien mit 6,1 Stunden am größten, gefolgt von den Realschulen mit 4,4 und den Hauptschulen mit 3,5 Stunden.

Landeselternratsvorsitzender Pascal Zimmer sprach gestern in Hannover von einer „erschreckenden Bilanz“. Manche Gymnasien könnten selbst die eigentlich vorgesehenen Pflichtstunden nicht erteilen. „Im Laufe eines Schülerlebens hat ein Kind in Niedersachsen statistisch gesehen ein Jahr weniger Unterricht als ein Kind in Bayern“, sagte Fritz Hullen, Elternvertreter aus Ashausen im Kreis Harburg. Zwar sei der Protest größer, wenn vermeintlich wichtige Fächer wie Mathematik oder Englisch ausfielen, aber auch Fehlstunden in Musik oder Kunst seien ärgerlich. „Die Eltern müssen mit Nachhilfe Versäumnisse der Schulen ausgleichen und dafür auch noch teuer bezahlen.“

Das Kultusministerium wies den Vorwurf der mangelnden Unterrichtsversorgung zurück. Sprecher Andreas Krischat nannte die Lüneburger Erhebung „nicht zuverlässig“. Die Daten seien nur punktuell ermittelt worden. So werde sogenannter Epochalunterricht, wenn also ein Fach für einen bestimmten Zeitraum im Mittelpunkt steht, beispielsweise nicht erfasst. „Die rechnerische Unterrichtsversorgung im Land ist übers Schuljahr gesehen gesichert.“

Zimmer und Hullen widersprachen: Die Zahlen seien sehr wohl repräsentativ. Eine Einschätzung, die auch die Elterninitiative „Land unter“ bestätigt.Landauf, landab klagten Eltern über Unterrichtsausfall, sagt Initiator Knut Gerschau und verweist auf Beispiele aus Bückeburg, Bremervörde, Osnabrück und Hannover.

Der Einzelfall sei keine Katstrophe, sagte Zimmer. „Das Problem ist der Unterrichtsausfall in der Summe.“ Das System sei ausgereizt, es gebe keine Vertretungsreserve. Je kleiner eine Schule sei, desto schwieriger sei es, Vertretungen zu organisieren. „Wenn ein Kollegium aus sieben Lehrkräften besteht, gibt es einfach keine Jongliermasse wie an Schulen mit mehr als 100 Pädagogen“, sagte Zimmer. Ministeriumssprecher Krischat entgegnete, kleine Schulen könnten Hilfe von benachbarten Schulen beanspruchen oder bei der Landesschulbehörde Feuerwehrlehrkräfte anfordern.

Elternratsvorsitzender Pascal Zimmer mahnte angesichts übervoller Klassen und irritierender Meldungen über mögliche Stellenkürzungen bei Lehrern den „Zukunftsvertrag Bildung“ an, den Ministerpräsident Christian Wulff Anfang Dezember beim Philologentag in Goslar versprochen hatte. „Passiert ist seitdem nichts. Mit uns hat jedenfalls noch keiner von der Landesregierung gesprochen, dabei vertritt unser Verband 1,8 Millionen Eltern in Niedersachsen.“
[Saskia Döhner]

HAZ, 24.03.2010 Kürzung des Musikunterrichts entrüstet Lehrer, Schüler und Eltern
„Das Musikland ist massiv gefährdet“: Die Kürzung des Musikunterrichts an Haupt- und Realschulen entrüstet Lehrer, Schüler und Eltern in Niedersachsen.

Niedersachsen nennt sich „Musikland“, ein Bundesland also, das sich der musikalischen Bildung verschrieben hat. Mit einem „Zehn-Punkte-Plan“ hat Ministerpräsident Christian Wulff die Entwicklung des Musiklandes Niedersachsen 2005 sogar zur Chefsache erklärt. „Fächer wie Kunst und Musik sind für eine ganzheitliche Entwicklung extrem wichtig“, sagte er damals. Die musikalische Förderung von Haupt- und Realschülern scheint der Landesregierung jetzt aber nicht mehr am Herzen zu liegen. So jedenfalls interpretieren Kritiker den neuen Erlass-entwurf des Kultusministeriums für den Unterricht an Haupt- und Realschulen. Er sieht drastische Kürzungen des Musik- und Kunstunterrichts ab der 7. Klasse zugunsten von Fächern wie Arbeit, Wirtschaft oder Technik vor.

Dieser Plan hat bei Oppositionspolitikern, Musikexperten und an Schulen eine Flut von Protesten ausgelöst. Realschulen haben ihre Bedenken in Eingaben an das Kultusministerium formuliert. Fachmoderatoren in den Fächern Kunst und Musik an den Gesamtschulen haben ebenso protestiert wie der Landesmusikrat, die Musikhochschule Hannover oder der Verband der Schulmusiker. Sogar der Präsident der Föderation musikpädagogischer Verbände Deutschlands, Christian Rolle, hat sich an Kultusministerin Heister-Neumann (CDU) gewandt: Er könne nicht glauben, dass schulpädagogisch verantwortungsvoll agierende Experten den Stundenumfang im musisch-kulturellen Bereich ernsthaft derartig kürzen wollten, heißt es in seinem Brief.

Der Erlass torpediere die Grundidee des „Musiklandes Niedersachsen“, musikalische Bildung quer durch alle Bevölkerungsschichten zu fördern, sagt der Präsident des Landesmusikrates, Karl-Jürgen Kemmelmeyer. Niedersachsen sei in Sachen Musik bundesweit tonangebend und habe allein mit dem Aktionsprogramm „Hauptsache: Musik“ in fünf Jahren um die 30.000 Kindern „ans Instrument gebracht“. Erst im Februar habe der Landtag beschlossen, das Musikland weiter zu stärken. Dazu habe das Kultusministerium mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung gerade ein Förderprogramm über 50.000 Euro für Bläserklassen an Hauptschulen initiiert. Diese Arbeit werde massiv gefährdet, weil die Ansprechpartner in Schulen gerade für Kinder aus bildungsfernen Schichten ab Klasse 7 wegfielen: „Der Erlass steht quer zur niedersächsischen Kulturpolitik.“

Auch die Liste der Bedenken der Musikpädagogen ist lang. Auf dem Land sei die Schule oft der einzige Ort für musikalische Bildung, sagt Johanna Trumann, Fachleiterin Musik an der KGS Bad Bevensen. 2000 Schüler hätten allein an ihrer Schule seit 1998 Bläserklassen absolviert, wo Kinder ohne Vorbildung im Unterricht ein Instrument erlernen. Viele machten in höheren Klassen weiter, manche wollten später auf ein Gymnasium wechseln: „Man weiß aber gar nicht, wie das bei so wenig Musikunterricht künftig mit der Durchlässigkeit der Schulen ist.“ Teamfähigkeit, Konzentration, Pünktlichkeit, all das, was Arbeitgeber heutzutage an Lehrstellenanwärtern bemängeln, werde beim gemeinsamen Musizieren gelernt, sagt der Fachbereichsleiter Musisch-kulturelle Bildung der KGS Hemmingen, Hans-Olaf Meyer-Grotjahn. Dort wurde 1996 die erste Bläserklasse Niedersachsens initiiert. Am Tag der offenen Tür kann man solche Qualitäten von Musik eindrucksvoll erleben. Musikklassen, eine „Bläserprofilgruppe“ der Klasse 7, die Bigband und sogar ein Orchester sind dort zu hören: mit Disko-Nummern wie „What a feeling“ von Irene Cara oder Klassikern wie einer „Musette“ von Bach. Dass solche Angebote für Realschüler künftig wegfallen könnten, verstehen die Jugendlichen nicht: „Da werden Musiktalente missachtet, nur weil sie in Mathe schlecht sind“, sagt der 15-jährige Kenneth empört: „Die von Tokio-Hotel waren bestimmt auch nicht auf dem Gymnasium.“

In der Chorklasse 9c an der Gunzelin-Realschule in Peine, einer der ersten Realschul-Chorklassen in Niedersachsen, proben die Schüler gerade eine freie Bearbeitung von Alban Bergs „Wozzeck“. Eine Szenenfolge aus dem Libretto haben sie mit Songs wie „Only Time“ von Enya unterlegt. „Man kann nicht hoch genug einschätzen, wie die Teamfähigkeit und die Persönlichkeit der Kinder durch gemeinsames Singen gefördert werden“, sagt der Fachbereichsleiter Musik, Carsten Heidenreich. Die meisten seiner Schüler bestätigen, dass sie ohne Schule nie Musik gemacht hätten. „Es kann nicht sein, dass das, was Spaß macht, nur Gymnasiasten lernen dürfen“, sagt die 14-jährige Sarina. „Wir stehen schon so unter Druck wegen Beruf und so. Hier kann man das einmal vergessen und einfach singen.“

[Jutta Rinas]

Foto: Aushängeschild des „Musiklandes Niedersachsen“, bald vielleicht vorbei: Ein Erlassentwurf des Kultusministeriums behindert Bläserklassen wie diese an der KGS Hemmingen.
HAZ, 22.03.2010 Eltern protestieren gegen Unterrichtsausfall
Eigentlich hat die Elftklässlerin an diesem Tag acht Stunden Unterricht. Ein Blick ins Internet auf die Homepage ihrer Schule am frühen Morgen verrät ihr, dass vier Stunden ausfallen, weil Lehrer erkrankt sind.

Die Gymnasiastin geht für zwei Stunden in die Schule, dann wieder nach Hause und als sie wiederkommt, um noch einmal an zwei Stunden Unterricht teilzunehmen, wird ihr mitgeteilt, dass auch diese leider ausfallen müssen. Acht Stunden Unterricht, sechs davon können nicht erteilt werden.

Pascal Zimmer hört immer wieder von Geschichten dieser Art. „Die Unterrichtsversorgung ist nicht so, wie sie sein sollte“, sagt der Vorsitzende des Landeselternrats. Nach seinen Berechnungen fällt im Bezirk Lüneburg jede zehnte Stunde aus. Dabei hatte Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) im November noch stolz verkündet, dass die Unterrichtsversorgung im Landesschnitt bei 100,2 Prozent und damit über den Erwartungen liegt. Bei den Grundschulen wird im Landesschnitt eine Versorgung von 102,6 Prozent erreicht, bei Gymnasien 99,8, bei Realschulen 99, bei Hauptschulen 98,6, bei Gesamtschulen 98,2 und bei Förderschulen 99,1 Prozent.

„Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus, da nützt auch die Schönrechnerei nichts“, sagt auch Knut Gerschau aus Hannover. Der Vater zweier schulpflichtiger Töchter hat zusammen mit anderen Eltern die Landesarbeitsgemeinschaft Unterrichtsversorgung, kurz „Landunter“, gegründet. Vor allem Gymnasien seien betroffen, sagt er. „Hier wird das Wegfallen von Pflichtstunden bereits zu Jahresbeginn fest eingeplant.“ Mit Postkartenaktionen und Unterrichtstunden, die im Internet per Ebay versteigert werden, möchte die Elterninitiative in den nächsten Wochen auf den Missstand aufmerksam machen. Zudem werden im Internet anonymisiert Beispiele von Unterrichtsausfall gesammelt.

Nach Angaben eines Ministeriumssprechers liegen dem Kultusministerium aktuell keine Beschwerden über mangelnde Unterrichtsversorgung an einzelnen Schulen vor: „Davon ist uns nichts bekannt.“

Die statistische Unterrichtsversorgung erfasst nur, ob alle Schulen rein rechnerisch genügend Lehrer haben, um die Pflichtstunden zu erteilen. Nicht berücksichtigt sind Ausfälle durch Krankheiten oder Schwangerschaften. Wenn ein Lehrer erkrankt, müssen ihn die Kollegen vertreten und sammeln dadurch ihrerseits Überstunden an. Erst wenn ein Pädagoge länger als sechs Wochen am Stück ausfällt, können die Schulen für ihn einen eigenen Vertretungslehrer einstellen.

An den Gymnasien herrsche ein großer Leistungsdruck, sagt Doris Vehlies, die sich ebenfalls bei „Landunter“ engagiert. „Die Stofffülle ist enorm, und durch das Zentralabitur haben dann am Ende alle Schüler dieselben Aufgaben, auf individuelle Nachteile wird da keine Rücksicht genommen.“ Zudem seien die Klassen und Lerngruppen viel zu groß. „Es gibt Leistungskurse mit 30 Schülern, da ist der Lärmpegel enorm.“

Heidrun Korsch, Vorsitzende der Direktorenvereinigung und Leiterin eines Gymnasiums in Hann. Münden, weiß von Eltern zu berichten, die besorgt seien, weil in einer 5. Klasse zwei Wochen lang die Englischlehrerin erkrankt ist. „Die Angst ist aber unbegründet“, sagt sie, „das kann man wieder aufholen.“ Schwieriger sei es mit dem Fachunterricht in der Oberstufe: „Das kann man kaum kurzfristig vertreten.“

An den Schulen ist keine Luft, um Ausfälle auszugleichen“, kritisiert der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eberhard Brandt, „alles ist auf Kante genäht.“ Einen Pool für Vertretungsstunden gebe es nicht. Das sei wie bei einer zu kurzen Bettdecke: „Wenn man sie nach unten zieht, um die Füße zu wärmen, friert man an der Brust.“

Experten raten, fünf Prozent mehr Lehrer einzustellen als eigentlich benötigt werden, um so eine Vertretungsreserve zu haben. So wünschenswert das auch wäre, wahrscheinlich fänden sich gar nicht die erforderlichen Lehrer, gibt Korsch zu bedenken: „Wenn ein Musiklehrer ausfällt, bekommt man kaum Ersatz.“

Auch der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz, sprich von einem „fächerspezifischen Fehl“: „Was nützt der Deutschlehrer, wenn der Chemielehrer krank wird?“ Quereinsteiger allein, zumal wenn sie nicht ausreichend pädagogisch begleitet würden, könnten den Mangel nicht ausgleichen.

Die Elterninitiative „Landunter“ ist auch im Internet zu erreichen.

06.03.2010, HAZ Niedersachsen setzt bei Bildung den Rotstift an
Kultusressort muss 50 Millionen Euro kürzen - VON KLAUS WALLBAUM
Hannover. Noch Ende Januar hatte Niedersachsens Landesregierung erwogen, bei der bevorstehenden Sparrunde das Kultus- und das Hochschulressort auszuklammern. Inzwischen aber steht fest: Auch diese beiden Ministerien müssen für den Etat des kommenden Jahres den Rotstift ansetzen. Wie diese Zeitung am Freitag erfahren hat, beträgt die Summe der Kürzungen in beiden Ministerien zusammen bis zu 150 Millionen Euro. Noch ist unklar, wo genau weniger Geld ausgegeben werden soll.
Allein das Kultusministerium, dessen 4,7-Milliarden-Etat zum überwiegenden Teil aus Gehältern der Lehrer besteht, soll im kommenden Jahr zwischen 50 und 100 Millionen Euro an den Finanzminister abliefern. Die spannende Frage wird nun sein, ob Ministerin Elisabeth Heister-Neumann frei werdende Lehrerstellen nichtwiederbesetzen will.
Würden etwa 1000 Lehrer keinen Nachfolger bekommen, so könnte dies den Kultus-Etat um rund 45 Millionen Euro entlasten. Der Landesrechnungshof rät dazu schon seit Längerem – weil die Schülerzahlen zurückgehen, vor allem in den Grundschulen, könne sich das Land auf Dauer nicht die höchste Lehrerzahl aller Zeiten leisten. Klar scheint auch zu sein, dass in der Finanzplanung bis 2020 rund 7000 Lehrerstellen wegfallen sollen. In den kommenden drei Jahren jedoch will die Regierung hier maßvoll vorgehen und nicht benötigte Stellen vorwiegend dazu nutzen, die Qualität des Unterrichts zu verbessern und die Klassen zu verkleinern. Deshalb wird über andere Wege nachgedacht, das Geld zu erwirtschaften – Kürzungen bei Kindergärten und bei Schul-Sozialarbeitern, verzögerte Neubesetzung von Schulleiterstellen, Einschnitte in der Verwaltung und bei der Schulinspektion, die die Schulen beraten soll.
Auch könnte die geplante Führungsakademie für Lehrer vertagt werden.
Während im Kultusressort schon eifrig an Lösungen gearbeitet wird, liegen aus dem Wissenschaftsressort noch keine Vorschläge vor. Entschieden werden soll in der Klausurtagung des Kabinetts im Juni, bei der der Haushaltsplan für 2011 aufgestellt wird.
In den anderen Ministerien wird über verschiedene Projekte debattiert, die geopfert werden oder schrumpfen könnten – der Innovationsfonds etwa, die Sportförderung, der große Fahrzeugpark im Innenministerium, die Steuer- und die Bauverwaltung oder Standorte des Landesamtes für Soziales. Der Maßregelvollzug könnte an einem Standort konzentriert werden, Zuschüsse für Frauenhäuser, Umweltgruppen, Theater und soziale Initiativen stehen auf der Kippe.
Auch das vom Ministerpräsidenten befürwortete Museum für die Schöninger Speere, für das 15 Millionen Euro fließen sollen, hat Kritiker.
Die Streichliste der Ministerien dürfte aber gerade mal 345 Millionen Euro bringen, während der Bedarf an Kürzungen im kommenden Jahr um noch einmal eine Milliarde Euro größer ist.
22.02.2010, Regionselternrat Offener Brief an den MP Christian Wulff - Streichung von Lehrerstunden
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Wulff, der Regionselternrat Hannover hat der Presse entnommen, dass die Streichung von Lehrerstundendiskutiert wird. Dies steht in krassem Widerspruch zu Ihrer Aussagen in der Koalitionsvereinbarung. Dort heißt es: “Deswegen werden die Koalitionspartner den eingeschlagenen Weg zur Stärkung der Bildungsqualität unter Beachtung des Nachhaltigkeitsprinzips gemeinsam fortsetzen und aufgrund sinkender Schülerzahlen frei werdende Lehrerressourcen im Bildungswesen belassen“.

Wir fordern Sie nachdrücklich auf, keinesfalls bei der Bildung zu sparen und keine Lehrerstellen zu streichen

Begründung:
.. Ein besseres Abschneiden bei PISA erfordert weiterhin große Anstrengungen auf dem gesamten Bildungssektor und Lehrer sind hierfür unbedingt erforderlich.
.. Die Unterrichtsqualität muss verbessert werden, damit Deutschland als Wirtschaftsstandort zukünftig auf die Ressource von gut ausgebildeten Schülern zurückgreifen kann.
.. Immer mehr Schulen wandeln sich zu Ganztagsschulen um und brauchen für das erweiterte Angebot mehr Lehrer.
.. Es werden in den nächsten Jahren viele Lehrkräfte pensioniert, hierfür ist Ersatz notwendig.
.. Unsere Kinder können nur individuell gefördert werden, wenn mehr Lehrer als derzeit zur Verfügung stehen. Dieser Gesichtspunkt ist insbesondere im Rahmen der Inklusion zu beachten.
.. Schüler, Eltern und Lehrkräfte fordern dringend, dass die Klassenstärken gesenkt werden.
.. Unterrichtsausfall wegen Krankheit und Schwangerschaft wird bei einer Streichung weiter zunehmen.
.. In den sog. Mangelfächern wird die Unterrichtsversorgung noch desolater.
.. Derzeit hat Niedersachsen einen Rückgang von Abiturienten zu verzeichnen. Diese Tendenz kann mit noch weniger Lehrern nicht gestoppt werden.
.. Grundschullehrer können als pädagogische Mitarbeiter eingesetzt werden, um die Kinder nicht nur zu beaufsichtigen, sondern um sie zu betreuen und zu fördern.
.. Das außerschulische Angebot muss erweitert werden.
Mit freundlichen Grüßen gez. Ute Schaumann - Vorsitzende des Regionselternrats –
>> Brief des Regionselternrat als PDF >> Antwort der Grünen >> Unterrichtsversorgung 2010
20.01.2010, NP Land will Lehrerstellen streichen
Reduzierung nach doppeltem Abi-Jahrgang 2011. Regierung diskutiert Zukunftsvertrag

VON HEIKO RANDERMANN
HANNOVER. Ab 2011 will die Landesregierung wieder anfangen, jährlich 350 Millionen Euro einzusparen. Dabei ist auch das Streichen von Lehrerstellen kein Tabu mehr. „Wir werden über die nächsten Jahre an bestimmten Stellen Lehrerstellen reduzieren“, sagte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) zur NP.
Da 2011 wegen der Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren zwei Jahrgänge gleichzeitig die Schulen verlassen würden, werde sich die Schüler-Lehrer-Relation ändern.
„Wir wollen nicht in gleichem Umfang die Lehrerstellen reduzieren“, betonte Wulff. Vor allem werde man die zurückgehenden Schülerzahlen dafür nutzen, die Qualität des Unterrichts zu verbessern und kleinere Klassen zu schaffen. Aber: „Dort, wo die Einschulungszahlen zurückgehen und manche Schulen vielleicht ganz schließen, weil sie nicht mehr angewählt werden, braucht man keine Lehrer.“
Damit erwägt die Landesregierung erstmals seit Jahren ein Streichen von Lehrerstellen. Bislang hat sie stets daran festgehalten, die bereits geschaffenen Lehrerstellen im System zu belassen. So heißt es noch in der mittelfristigen Finanzplanung vom vergangenen Juni: „Die aufgrund sinkender Schülerzahlen frei werdenden Ressourcen verbleiben im Bildungswesen, um die Unterrichtsversorgung weiterhin auf dem bisherigen hohen Niveau sicherstellen zu können.“
Ein Jahr zuvor hieß es, geplante Kürzungen von 400 Stellen pro Jahr seien „dauerhaft zurückgenommen“
. Auch im Streit um kleinere Klassen und den Abbau von Überstunden für Lehrer an Gymnasien hatte die Landesregierung wiederholt auf den doppelten Abiturja hrgang verwiesen, um danach Entlastung zu schaffen.

Kleinere Klassen
Bei einer Kabinettsklausur will die Landesregierung in der kommenden Woche über ihre langfristigen Politikziele bis zum Jahr 2020 beraten. Dabei soll es auch um die Eckpunkte eines Zukunftsvertrags für die Schulen gehen. Inhalt dieses Pakts mit den Bildungsverbänden ist eine schrittweise Verkleinerung der Klassengrößen vor allem an Gymnasien in den nächsten Jahren. Das hatte Wulff bereits Anfang Dezember auf einer Tagung des Philologenverbands in Goslar angekündigt.
Die Zielgrößen der Klassen müssten demnach mit den Verbänden verhandelt werden.Der Ministerpräsident garantierte den Gymnasiallehrern im Dezember allerdings auch, dass sie auch künftig nicht mehr als 23,5 Stunden in der Woche unterrichten müssten. >> Unterrichtsversorgung 2009

 
HAZ, 25.11.2009 Unterrichtsversorgung bessert sich.

Die Statistik verzeichne eine Quote von 100,2 Prozent, frohlockt Ministerin Heister-Neumann VON SASKIA DÖHNER

Hannover. Diese Nachricht kommt für die in den vergangenen Monaten immer wieder in die Kritik geratene Kultusministerin gerade richtig: Die Unterrichtsversorgung ist an den Schulen deutlich besser als erwartet. „Wir haben unser Ziel übertroffen, wir können zufrieden sein“, sagte Elisabeth Heister-Neumann (CDU) sichtlich erfreut, als sie jetzt vor Journalisten in Hannover die statistischen Zahlen vorstellte.

Danach liegt die Unterrichtsversorgung im Landesschnitt bei 100,2 Prozent. Angepeilt hatte das Ministerium eine Versorgung von 99,5 Prozent. In der Stadt Hannover liegt die Zahl mit 99,9 Prozent leicht unter dem Durchschnitt. Hier kommen die Gymnasien auf 99,5 und die Gesamtschulen auf 98,3 Prozent.

In der Region erreicht die Versorgung insgesamt 100,1 Prozent. Am schlechtesten ist die Versorgung in Dannenberg mit 98,8 Prozent.

Auch bei den einzelnen Schulformen liegen die Zahlen höher als erwartet. Bei den Grundschulen wird im Landesschnitt eine Versorgung von 102,6 Prozent erreicht, bei Gymnasien 99,8, bei Realschulen 99, bei Hauptschulen 98,6, bei Gesamtschulen 98,2 und bei Förderschulen 99,1 Prozent.

„Diese Zahlen sind ein Beleg dafür, dass unser Maßnahmenpaket gegriffen hat“, sagte die Ministerin. Dazu gehörten zusätzliche Lehrer- und Referendarstellen, aber auch der freiwillige Verzicht auf Teilzeitarbeit bei den Pädagogen. Durch Letzteres seien insgesamt 350 Vollzeitstellen erwirtschaftet worden.

In diesem Schuljahr sind 2506 neue Lehrkräfte auf 2300 Vollzeitstellen eingestellt worden. 636 Junglehrer waren Referendare, die nach Schuljahresbeginn ihre Abschlussprüfung gemacht und somit erst zum 1. November an den Schulen angefangen haben.

Die Opposition betrachtet es als „Trickserei“, dass in die Statistik von vornherein auch die neuen Lehrer miteingerechnet werden, die erst drei Monate nach Schuljahresbeginn ihren Job antreten werden. „Es gibt Schulen, an denen nach den Sommerferien monatelang der Mathematikunterricht ausgefallen ist“, berichtete Frauke Heiligenstadt (SPD) gestern.

Ina Korter (Grüne) sprach von „Schönrechnerei“. Nur an Grundschulen und Gymnasien sei die Unterrichtsversorgung im Vergleich zum Vorjahr tatsächlich besser geworden. Außerdem sagten die statistischen Zahlen nichts über die wirkliche Situation an den Schulen.

Denn Ausfälle durch Krankheiten oder Schwangerschaften seien nicht erfasst. Heister-Neumann fehle ein wirkliches Konzept, kritisierten die beiden Bildungsexpertinnen.Sie betreibe Bildungspolitik im Hinterzimmer und suche nicht den erforderlichen breiten Konsens, monierte Heiligenstadt. Und Korter warf der Ministerin „Flickschusterei“ vor: „Sie hangelt sich weiter von einer Baustelle zur anderen.“ Übervolle Klassen und überlastete Lehrer blieben Dauerprobleme.

Karl-Ludwig von Danwitz (CDU) sprach von einem „schönen Erfolg“, räumte aber ein, dass es trotzdem zu Stundenausfällen kommen kann: „Den Schulen fehlt wie den meisten Betrieben die fünf Prozent Reserve für Krankheitsausfälle.“

Und das Problem der Mangelfächer bleibt. Der Einsatz von Quereinsteigern – in diesem Schuljahr sind 186 eingestellt worden, die meisten für das Fach Physik – sei nur eine Übergangslösung: „Wir brauchen mehr Menschen, die sich an die naturwissenschaftlichen Fächer herantrauen

 
Materialien zu den Maßnahmen zur Unterrichtsversorgung 2009
13.03.2009

SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag >> Zukunft der Bildung in Niedersachsen - Der Weg zu einem regional angepassten, vollständigenund stabilen Bildungssystem in Niedersachsen (pdf, 156 kb). Eine Stellungnahme der SPD-Landtagsfraktion zum Konzept der Landesregierung..

06.03.2009 Fraktion der Grünen im Niedersächsischen Landtag >> Zentrale Forderungen des bildungspolitischen Krisen- und Strategiegipfels vom 06. März 2009 (pdf, 29 kb). Ergebnis einer Anhörung des Schulleitungsverbandes Niedersachsen, des Verbandes Bildung und Erziehung, der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschulen Niedersachsen, der Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft, des Landeselternrates und des Landesschülerrates
24.02.2009 Niedersächsisches Kultusministerium >> Bildungsland Niedersachsen - Erfolge und Herausforderungen (pdf, 94 kb).
HAZ, 21.02.2009 Wulff verdonnert Lehrer zur Mehrarbeit .
 

HAZ, 21.02.2008, >> Wulff verdonnert Lehrer zur Mehrarbeit ...„Dienstliche Belange haben Vorrang“ / Vertrauensstörung mit Kultusministerium vor Klausurtagung .

 

HAZ, 21.02.2008, >> Lehrer sind wütend aufs Land ...„Neuer Tritt vors Schienbein“ /„Weitere Belastung der Beschäftigten in den Schulen ist inakzeptabel ...

 

HAZ, 21.02.2008, >> Die begehrte Ware Lehrer ...Der Lehrerklau geht um. ...

 

NP, 21.02.2008, >> Unnötiger Konflikt mit den Lehrern ...Immer mehr Lehrer, immer weniger Schüler, und dennoch droht ein massiver Unterrichtsausfall – Niedersachsen erlebt zurzeit Bildungspolitik paradox ....

 
HAZ, 21.02.2009 Wulff verdonnert Lehrer zur Mehrarbeit

„Dienstliche Belange haben Vorrang“ / Vertrauensstörung mit Kultusministerium vor Klausurtagung - VON KLAUS WALLBAUM

Hannover. Vor der mit Spannung erwarteten Kabinettsklausur zur Schulpolitik hat Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) die bisherigen rund 10 000 Teilzeitlehrer auf neue Belastungen eingestimmt. Aus „dienstlichen Belangen“ werde das Kultusministerium künftig nicht mehr jedem Antrag eines Lehrers, seine Stelle zu reduzieren, zustimmen können. „Das wird keine Begeisterung auslösen, aber wenn in einem Betrieb ganz viel Arbeit da ist, müssen die Beschäftigten mehr tun. Dies wird man auch von Beamten verlangen können“, sagte der Ministerpräsident. Er bat um Verständnis wegen der problematischen Unterrichtsversorgung in den Gymnasien. „Zwei Jahre lang“, bis zum doppelten Abiturjahrgang 2011, sei die Situation angespannt.

Der Regierungschef nahm am Freitag mit dieser Mitteilung einen Teil der Ergebnisse der Klausurtagung der Landesregierung am Montag vorweg. Das Kabinett will in seiner Sitzung vor allem Vorschläge für eine bessere Unterrichtsversorgung prüfen und beschließen. Gerade in Bezug auf die Teilzeitlehrer hatte es in der CDU/FDP-Koalition Unmut über das Vorgehen von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann gegeben: Sie hatte die Teilzeitanträge gesammelt und nicht darüber entschieden. Erst als der Unmut der Gewerkschaften laut wurde, bat sie in einem Brief an die Lehrer, mehr zu unterrichten. Die Ministerin habe hier „mangelndes taktisches Geschick“ gezeigt, heißt es aus der Koalition. Sie sei „in die Defensive geraten“. Verübelt wird Heister-Neumann auch, dass sie bisher keine vernünftige Gesprächsebene mit den Gewerkschaften gefunden habe. „Sonst wäre es vielleicht längst gelungen, die Lehrer zur Mehrarbeit zu überzeugen – etwa über eine höhere Vergütung“, sagt ein Koalitionspolitiker. Wegen der angespannten Stimmung gelinge es zudem nicht, die hohe Zahl der für besondere Aufgaben freigestellten Lehrer (für Stundenplan oder Beratungslehrer) zu vermindern.

Auch zwischen Wulff und dem Kultusministerium gibt es eine Vertrauensstörung. Das wurde in der Vorbereitung der Klausurtagung deutlich, als Wulff ein Papier des Ministeriums verwarf: Weil den Kommunen künftig erleichtert werden soll, gemeinsamen Unterricht von Haupt- und Realschule zuzulassen, dachten sich Beamte des Kultusressorts dafür einen Namen aus. Von „Profilschulen“ war die Rede. Das verärgerte Wulff, weil jeder Name den Eindruck weckt, man wolle beide Schulformen vereinigen. Geplant ist aber offenbar – entgegen manchen anderen Vorstellungen aus der CDU-Landtagsfraktion – lediglich eine engere Kooperation. Außerdem nervt es Wulff, dass Heister-Neumanns Landesschulbehörde bisher Anträge von Pensionären, länger zu unterrichten, unnötig verkompliziert und beispielsweise ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt.

In Koalitionskreisen heißt es, der Ministerpräsident dränge auf „ganz viele Veränderungen“ im Ministerium.

 
HAZ, 21.02.2009 Lehrer sind wütend auf das Land

„Neuer Tritt vors Schienbein“ /„Weitere Belastung der Beschäftigten in den Schulen ist inakzeptabel“ - VON SASKIA DÖHNER

Hannover. Die Ankündigung von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), künftig nicht mehr jeden Antrag auf Teilzeit bei den Lehrkräften zu genehmigen, stößt bei den Gewerkschaften auf breite Ablehnung. „Jede weitere Belastung der Beschäftigten an den Schulen ist völlig inakzeptabel“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eberhard Brandt, am Freitag. Die Stimmung an den Schulen sei mies. Auch Manfred Busch vom Verband der Realschullehrer berichtet von einer zunehmenden Verunsicherung: „Das Vertrauen zur Landesregierung ist angeknackst, immer wieder heißt es, man kann sich auf nichts mehr verlassen, nur darauf, dass man vom Land wieder einen Tritt vors Schienbein bekommt.“

Auch Philologenverbandsvorsitzender Guillermo Spreckels stellte klar: „Wir sind gegen jede Zwangsmaßnahme.“ Das habe auch Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann stets zugesichert. Von Wulffs Teilzeitvorstoß zeigte sich der Philologenverband entsprechend überrascht.

Der Landeselternratsvorsitzende Matthias Kern erklärte: „Es ist gut, dass die Unterrichtsversorgung jetzt Chefsache geworden ist.“ Andererseits seien schlecht motivierte Lehrer, die zur Mehrarbeit gezwungen worden sind, auch kein Gewinn für die Schüler.

Spreckels warnte davor, die „Errungenschaft Teilzeit“ aufs Spiel zu setzen. Schließlich halte das Land damit seit rund 30 Jahren viele Lehrkräfte, vor allem junge Mütter, im Staatsdienst, die andernfalls ihren Job komplett aufgeben würden. Marthe Blanck vom Grundschulverband sagte: „Jeder Lehrer, der seine Stundenzahl reduziert, hat seine guten Gründe dafür.“ Oftmals sicherten ältere Pädagogen, die einem Burn-out-Syndrom nahe seien und auf Teilzeit gingen, so überhaupt ihre Arbeitskraft.

Würden Teilzeitkräfte gezwungen, länger zu arbeiten, würde die Zahl der Frühpensionierungen und Krankheitsfälle in die Höhe schnellen, warnen die Lehrerverbände. Derzeit arbeitet rund ein Viertel der Lehrer in Niedersachsen Teilzeit. Rund 11 600 Pädagogen arbeiten aus familiären Gründen reduziert, knapp 10 000 aus sogenannten arbeitsmarktpolitischen Gründen, etwa weil sie sich überlastet fühlen.

Diese Gruppe hatte Heister-Neumann Anfang des Monats angeschrieben und sie gebeten, freiwillig ihre Stundenzahl aufzustocken. Bis Freitagabend sollten die Rückmeldungen vorliegen. Zahlen oder Trendmeldungen gab das Ministerium zunächst nicht bekannt. Dem Vernehmen nach soll das Ergebnis aber enttäuschend sein. Umgerechnet 57 Vollzeitstellen sollen so zusammengekommen sein. Unklar ist aber noch, ob es denn überhaupt die verzweifelt gesuchten Fachlehrer sind, die mehr unterrichten wollen. „Was nützt ein Deutschlehrer, der zwei Stunden mehr gibt, wenn Latein- und Physiklehrer fehlen“, fragt GEW-Vorsitzender Brandt.

Die Gewerkschaften bemängeln auch, dass die Regierung zu sehr auf die Teilzeitkräfte setzt. Möglich sei es auch, Hochschulabsolventen, die noch kein Referendariatsplatz haben, befristet an den Schulen anzustellen. Wer im Sommer in Altersteilzeit geht, könnte beispielsweise drei Jahre voll und danach überhaupt nicht mehr arbeiten anstatt die ganze Zeit auf 50 Prozent.

 
HAZ, 21.02.2009 Die begehrte Ware Lehrer

Der Lehrerklau geht um. Weil Pädagogen gerade in den Mangelfächern wie Mathematik, Physik und Latein in Berlin genauso fehlen wie in Hessen und Niedersachsen, überbieten sich die Bundesländer derzeit im Wettstreit um die begehrte Ware Lehrer.

Berlin will angestellten Lehrkräften ab August bis zu 1200 Euro brutto mehr im Monat bezahlen. Die Verbeamtung wurde 2004 abgeschafft. Ein Wettbewerbsnachteil, wo reichere Länder nicht nur mit dem Beamtenstatus, sondern auch noch mit Leistungszulagen locken. In Hessen können sogar 50-jährige Lehrer verbeamtet werden. Niedersachsen verspricht guten Referendaren, dass sie später an ihrem Wunschort unterrichten dürfen. Wer ein sogenanntes Mangelfach studiert hat, erhält schon jetzt bevorzugt einen Referendariatsplatz. Diese Quote soll von derzeit zehn Prozent ab November auf 20 Prozent erhöht werden. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind groß – beim Status wie beim Einkommen. Eine 30- jährige Lehrerin mit zwei Kindern verdient in Sachsen als Angestellte 2257 Euro monatlich brutto, in Baden-Württemberg 3712 Euro.

 
NP, 21.02.2009 Unnötiger Konflikt mit den Lehrern

Immer mehr Lehrer, immer weniger Schüler, und dennoch droht ein massiver Unterrichtsausfall – Niedersachsen erlebt zurzeit Bildungspolitik paradox - von Dirk Racke

Seit Jahren ist bekannt, dass das Land ab nächstem Schuljahr Lehrer-Mehrarbeit ausgleichen muss und damit zehntausende Unterrichtsstunden fehlen. Der Versuch von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann, diesen Ausgleich zu verschieben, löste vor einem Jahr so massive Lehrerproteste aus, dass Ministerpräsident Christian Wulff den Plan stoppte. Die 650 neuen Stellen, die die Ministerin daraufhin beantragte, wurden ihr jedoch nur ansatzweise genehmigt. Hektisch versucht die unter Druck stehende Ministerin nun, die Lücken zu stopfen. Und wieder ist es Wulff, der die Zügel an sich reißt: Da die hilflose Bitte der Ministerin um freiwillige Mehrarbeit offenbar wenig Früchte trug, soll künftig nicht mehr jeder Antrag auf Teilzeitarbeit genehmigt werden. Das ist in der Wirtschaft längst üblich – und dennoch ungeschickt. Wer Schulfrieden will, darf eine jahrelange Praxis nicht per Anordnung stoppen. Er muss die Lehrerverbände im Vorfeld einbinden. Sie haben mehrfach gezeigt, dass sie zur konstruktiven Mitarbeit bereit sind. Der Konflikt, den Wulff nun aushalten will, wäre nicht nötig gewesen. Den Frust und Vertrauensverlust der Lehrer werden die Schüler ausbaden müssen.

 
HAZ, 30.01.2009 Unterricht fällt wieder aus / Lehrer sollen freiwillig mehr arbeiten. >> Unterrichtsversorgung 2009
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HAZ, 30.01.2009, >> Unterricht fällt wieder aus ... „Für die Schüler gibt es heute Zeugnisse und zwei Tage Ferien – mancher Schulleiter dagegen zerbrach sich bis zum Schluss den Kopf, wie er für das neue Halbjahr Lücken im Lehrerteam ausgleichen könnte."
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HAZ, 30.01.2009, >> Lehrer sollen freiwillig mehr arbeiten ... Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) will an Teilzeitlehrer appellieren, in den nächsten zwei Jahren mehr Stunden zu geben, um so die Unterrichtsversorgung zu sichern. .
 
HAZ, 30.01.2009 Unterricht fällt wieder aus

Von Bärbel Hilbig Für die Schüler gibt es heute Zeugnisse und zwei Tage Ferien – mancher Schulleiter dagegen zerbrach sich bis zum Schluss den Kopf, wie er für das neue Halbjahr Lücken im Lehrerteam ausgleichen könnte. 49 Lehrer starten in Hannover neu, manche jedoch erst im Mai. Ausreichend ist das nicht. An der Ada-Lessing-Schule zum Beispiel beginnt eine Deutschlehrerin ihre Altersteilzeit. Andere Lehrer unterrichten weniger, weil sie in Projekten des Kultusministeriums mitarbeiten. Statt Deutsch hat Konrektorin Christa Lüdemann anderswo gekürzt und Förderunterricht gestrichen. „Das ist natürlich schlecht. Dabei ist Altersteilzeit doch absehbar“, sagt Lüdemann. Auch der Trainingsraum, in dem Schüler mit Problemen Pläne für eine Verhaltensänderung entwickeln, kann nicht mehr durchgängig betreut werden. „Eigentlich brauchen wir dieses Angebot dringend. Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht.“ An der Käthe-Kollwitz-Schule musste Konrektor Rainer Topp Biologie im sechsten sowie Physik im neunten Jahrgang kürzen. Religion fällt für fast alle Schüler aus. „Die Eltern sorgen sich natürlich wegen des Abiturs, wenn ihre Kinder in der siebten Klasse 28 statt 32 Wochenstunden haben“, sagt Topp. Im November hatten Eltern über die Hotline des Ministeriums zumindest erreicht, dass eine Feuerwehrkraft für Kunst an die Schule kam. Auch an der Ricarda-Huch-Schule heißt es, die Lage sei „angespannt wie immer“. Wie vorher gibt es Kürzungen in den Naturwissenschaften. An der Leibnizschule setzten die Planer ein kompliziertes Karussell in Gang: Da springen Lehrer bei Englisch ein, die dann wieder in Französisch durch andere ersetzt werden. Zahlreiche Schüler müssen sich deshalb auf neue Lehrer einstellen. „Wir hätten dringend eine Englischlehrkraft gebraucht. Die kommt aber erst im August“, sagt Schulleiter Martin Stupperich. Der erhebliche Lehrermangel führe dazu, dass inzwischen jedes Vierteljahr neue Stundenpläne geschrieben werden müssten. Mit einer Studentin und Mehrarbeit gleicht die Schule aus, dass ein Lehrer erst im Mai beginnt. „Aber bei 97 Prozent Unterrichtsversorgung fällt immer was aus, auch in Hauptfächern.“ Die Helene-Lange-Schule hat sieben Studenten angeheuert, weil drei Lehrer erst im Mai beginnen. „Einstellungsgespräche, Papierkrieg und Einarbeitung machen viel Arbeit“, sagt Schulleiter Jürgen Buchhagen.

30.01.2009 / HAZ Seite 14 Ressort: HANN

 
HAZ, 30.01.2009 Lehrer sollen freiwillig mehr arbeiten

Von Saskia Döhner «Hannover. »Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) will an Teilzeitlehrer appellieren, in den nächsten zwei Jahren mehr Stunden zu geben, um so die Unterrichtsversorgung zu sichern. „Wir setzen auf das Prinzip der Freiwilligkeit“, sagte Ministeriumssprecher Andreas Krischat gestern. Betroffen seien nicht die rund 11 600 Pädagogen, die aus familiären Gründen ihre Arbeitszeit heruntergeschraubt haben, sondern nur die knapp 10 000 Lehrer, die ihre Stundenzahl aus sogenannten arbeitsmarktpolitischen Gründen reduziert haben. Darunter fallen auch die kinderlosen Lehrkräfte, die sich in ihrem Job überfordert fühlen. „Wenn jeder der 10 000 Lehrer nur eine Stunde mehr arbeitet, haben wir 10 000 Stunden mehr“, rechnete Krischat vor. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bekräftigte am Donnerstag ihre Kritik daran, dass derzeit alle Teilzeitanträge von Lehrern, die ab dem Sommer weniger arbeiten wollen, auf Eis liegen. „Die Wut bei den Lehrern ist groß“, sagte GEW-Landesvorsitzender Eberhard Brandt und kündigte Proteste an. Es gehe bei den Teilzeitanträgen erst mal darum, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wer an welcher Schulform seine Unterrichtsstunden zurückschrauben wolle, sagte Ministeriumssprecher Krischat. Heister-Neumann werde Anfang Februar die Lehrer anschreiben und sie bitten, ihre Stunden aufzustocken. Was passiert, wenn diese nicht mehr arbeiten wollen, sagte der Sprecher nicht. „Dann werden wir die Anträge bearbeiten“, hieß es. Die Frage, ob die Teilzeit in der gewünschten Form genehmigt werde, beantwortete er nicht. Die GEW forderte, sofort 1000 neue Lehrer einzustellen und dies über den Nachtragshaushalt zu finanzieren. Es sei unwahrscheinlich, dass Teilzeitkräfte freiwillig länger arbeiten wollen, sagte Brandt: „Wer reduziert, hat seine guten Gründe dafür.“ SPD und Grüne nannten das Vorgehen der Ministerin hilflos und panisch. „So geht man nicht mit Menschen um“, sagte Frauke Heiligenstadt (SPD). Ab der nächsten Woche werde es in den Schulen landesweit Warnstreiks der angestellten Lehrer geben, die auch Unterrichtsausfall zur Folge hätten, sagte Brandt gestern. Hintergrund ist die Auseinandersetzung mit der Tarifgemeinschaft der Länder. Für nächsten Dienstag haben die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes zu einem Streik- und Aktionstag in Hannover aufgerufen. Es werden mehrere Tausend Teilnehmer erwartet.

30.01.2009 / HAZ Seite 5 Ressort: NIED